Liebe Leserinnen,
Liebe Leser,

trotz der schwelenden Krise zwischen Nordkorea und den USA sowie der deutschen Bundestagswahlen Ende September steuert der Deutsche Aktienindex (DAX) weiterhin auf Erfolgskurs. Viele Analysten hatten ihm schon für den vergangenen Monat das Erreichen eines neuen Allzeithochs vorhergesagt. Allein, dem deutschen Leitindex scheint der Mut zu fehlen. Wie zuletzt will das Durchbrechen der historischen Höchstmarke von 13.000 Punkten nicht so recht gelingen.

Anschub aus den USA bleibt (vorerst) aus

Die Aussage, der DAX traue sich nicht, ist dabei natürlich nicht ganz korrekt. Schließlich handelt es sich nicht um ein Lebewesen, das aus eigener Kraft Entscheidungen trifft, auch wenn dem Index in der medialen Berichterstattung gerne mal menschliche Züge zugeschrieben werden, weil dies einfach besser klingt. Faktisch aber sind es die Anleger selbst, denen der endgültige Mut fehlt, weiter in die relevanten Wertpapiere zu investieren, um dem Rekordhoch Vorschub zu leisten. Zuletzt waren es die bevorstehenden Publikationen der aktuellen Daten zum US-Arbeitsmarkt. Doch diese konnten nicht leisten, was mancher Anleger und Analyst von ihnen erwartet hatte.

Nur knapp am neuen Rekordwert gescheitert

Zwischenzeitlich war der Leitindex zum Ende der zurückliegenden Handelswoche nur wenige Punkte (der DAX brachte es kurzfristig auf über 12.993 Zähler) an der Marke vorbeigestolpert. Der Begriff „stolpern“ hat deshalb Berechtigung, weil es wahrlich knapp war. Doch am Freitag (06.10.2017) folgte die Ernüchterung auf dem Fuße, wenngleich es nach dem Höhenflug keinen wirklichen Einbruch gab. Dennoch kam es zur erneuten Kurskorrektur nach unten, sodass es nun die kommenden Wochen schaffen sollen, den DAX in unbekannte Sphären zu heben. Dabei sah es am Freitagnachmittag eigentlich gut aus.

US-Arbeitsmarktdaten fallen unerwartet negativ aus

Die Arbeitsdaten aus den USA wiesen ein Minus um immerhin 33.000 Stellen auf. Dementsprechend blieb der erwartete Durchbruch erst einmal aus. Dabei waren die Löhne und Gehälter in den Vereinigten Staaten der neuen Statistik zufolge stärker gestiegen, als dies prognostiziert worden waren. Dass die neuen Arbeitsplätze nicht die letzte Motivation geben konnten, liegt aus Sicht zahlreicher Analysten wiederum in weiten Teilen daran, dass es dem Markt in den USA schlicht und ergreifend an den passenden Bewerbern für die offenen Stellen mangelt.

Schaut man sich die Zahlen genau an, wird die niedrigste US-Arbeitslosenquote seit dem Jahr 2001 erkennbar. Die Quote sank laut Arbeitsministerium mit Sitz in Washington auf nun 4,2 Prozent, was einem Rückgang um 0,2 Prozent entspricht. Daran, dass Experten eine Quasi-Vollbeschäftigung attestieren ändert diese Entwicklung freilich nichts. Auch dies ein Argument die Erwartung einer erneuten Anhebung des Zinsniveaus zum Jahresende in der weltweit größten Volkswirtschaft.

Euro schwächelt und bringt Indizes neue Chancen

Neue Signale, dass es nun bald mit einem DAX-Kurs jenseits von 13.000 Punkten klappen wird, gibt es dennoch. Beispielsweise gehen Beobachter davon aus, dass die US-Zinsen wegen des Einkommensanstiegs ebenfalls steigen werden. Hinzu kommt, dass der Kurs der Gemeinschaftswährung Euro nochmals gesunken ist. Nach der Veröffentlichung der US-Arbeitsmarktdaten sank der Eurokurs für eine Weile auf den niedrigsten Stand seit Mitte August 2017, was für etwas Ruhe zum Wochenende sorgte. Ausgelöst wurde die „Krise“ des Euro nicht zuletzt durch die Krise um die drohende Abspaltung Kataloniens im Euro-Land Spanien. Vorteile birgt der schwächere Euro bekanntlich vor allem für Unternehmen der Exportwirtschaft. Diese Entwicklung soll nun ebenfalls Ausgangspunkt sein, damit der neue DAX-Höchststand doch noch erreicht wird.

Index muss sich neu ausrichten und dann Rekorde jagen

Wie heißt es so schön: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Warten wir also ab, was die kommenden Wochen bringen werden. Positiv formuliert könnte man auch sagen: Der Index hat einfach nochmals Anlauf genommen, um jetzt endlich das zu tun, was so viele Anleger und Trader schon seit einer Weile von ihm erwarten. Es wäre nicht das erste Mal, dass es ein paar Etappen bis zum neuen Kursdurchbruch braucht.

Ihr Sebastian Hell
Geschäftsführer QTrade

www.qtrade.de